Reichelt - damals, gestern und heute

Reichelt - das Berliner Original

Reichelt ist mit derzeit 53 Lebensmittelmärkten ein unverzichtbares Stück Berlin, bietet es den Berlinern doch alles für den täglichen Bedarf unter einem Dach wie: wochenmarktfrisches Obst und Gemüse, praktisch verpackte Convenience-Produkte, Fleisch- und Wurstwaren wie beim Fleischer um die Ecke, ausgewählte Weine, ein stetig wachsendes regionales Sortiment, durch das Öko-Siegel zertifizierte Bio-Produkte oder auch eine große Auswahl preisgünstiger Artikel auf Discount-Preis-Niveau.

Der Gründungstag des Unternehmens Reichelt liegt mehr als 100 Jahre zurück. Durch die Übernahme weiterer Firmen steigt die Zahl der unter der Firma Otto Reichelt GmbH wirtschaftenden Märkte bis 1939 auf etwa 185. Die Verkaufsfläche der Läden beträgt damals zwischen 30m² und 40m². Das Personal lebt zu dieser Zeit hinter dem Laden.

1945 gehen die Märkte im Ostteil Berlins durch die politischen Ereignisse verloren. Viele Märkte sind durch die Bombardements zerstört. Es gibt nur sehr wenige Waren zu verkaufen. Stadtbekannt wird Reichelt durch Sirupkocherei. Aus einem Abfallprodukt der Zuckerindustrie kocht man zähflüssigen Sirup, der als Brotbelag als Ersatz für Butter, Wurst, Käse, Honig oder Marmelade dient. Aus allen Stadtteilen kommt man zu Fuß in die Zentrale an der Schlesischen Straße, um etwas von der Köstlichkeit zu ergattern. Die Leute bringen ihre gehamsterten Zuckerrüben und können sich Sirup dafür abholen.

1948 wird die Zentrale in die Daimlerstraße in Marienfelde verlegt. Die Warenversorgung der Stadt erfolgt über die Luftbrücke der Alliierten. Massenware wird in 50 Kg Jute-Säcken bei den Reichelt Märkten angeliefert.

1950 -  der wirtschaftliche Aufschwung in West-Berlin nach der Blockade bringt ein großes Warenangebot. Viele Ost-Berliner decken den Bedarf an Lebensmitteln und anderen Artikeln in West-Berlin. Das trägt zu  einer positiven Umsatzentwicklung bei Reichelt bei.  

Der Herausforderung der sog. Wirtschaftswunderjahre stellte sich Reichelt z. B. im Jahr 1955 mit der Eröffnung des ersten Selbstbedienungsladens. Und auf Wunsch vieler Berliner, die ja bekanntermaßen gerne "janz weit vorneweg" sind, wird kurze Zeit später der Verkauf von frischem Obst und Gemüse eingeführt. Die Entwicklung bei Reichelt geht rasant voran. Ein nächster Akzent wird 1961 mit dem Verkauf von Frischfleisch gesetzt - quasi die Geburtsstunde des eigenen zentralen Produktionsbetriebs für ein umfangreiches Sortiment an Fleisch- und Wurstwaren in Berlin-Marienfelde. Schon in dieser Zeit zeigt sich, dass nicht allein der Preis maßgebend für die Kundschaft ist, sondern die Qualität.

Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 verliert die Firma wertvolle Mitarbeiter, die im Ostteil der Stadt wohnen.

Mit dem Sortiment wächst nicht nur das Unternehmen, sondern ständig auch die Verkaufsfläche. Schon im Jahr 1964 eröffnet der erste Reichelt-Markt mit einer Verkaufsfläche von 1.000 m² und 1972 die erste Großfläche mit 2.000 m².

1985 wird die erste Frischfisch-Abteilung im Markt Johannisthaler Chaussee getestet. Zu diesem Zeitpunkt hat Reichelt 57 Märkte mit insgesamt 50.000 m² Verkaufsfläche in Berlin.
 
Nach der Wiedervereinigung wird 1990 der erste Reichelt Markt in den neuen Bundesländern in Neuenhagen eröffnet. In der Folge baut Reichelt das Filialnetz in Ost-Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt aus. 

1991 geht Reichelt an die Börse und wandelt sich in die Otto Reichelt AG um. Zum Unternehmen gehören jetzt 89 Märkte und 5790 Mitarbeiter.

Nachdem die EDEKA Minden-Hannover bereits 1995 die mehrheitliche Beteiligung an der Otto Reichelt AG erwirbt und im Jahr 1999 den Aktienanteil auf 75% erhöht, erfolgt im Jahr 2003 ein Squeeze-out der verbleibenden Aktionäre. Die Otto Reichelt AG  wird wieder in eine GmbH umgewandelt. 2002 wird das Zentrallager in Marienfelde geschlossen. Die Reichelt Märkte werden nun über das Edeka-Lager in Freienbrink beliefert.

In 2003 beginnt eine neue Ära der Reichelt-Märkte. Es wird ein neues Betreiberkonzept erarbeitet, dass verstärkt auf die Schaffung neuer Reichelt-Supermärkte mit ca. 1.000 qm Verkaufsfläche im Berliner Raum setzt. Innerhalb von 3 Jahren werden mit großem finanziellen Engagement der Muttergesellschaft alle Märkte grundlegend saniert und renoviert. Ein innovatives Ladengestaltungskonzept wird entwickelt das als Pilotprojekt im Markt Ollenhauerstraße 107, 13403 Berlin-Reinickendorf, Erfolg versprechend startet. Dieses Konzept bietet den Kunden, die im Übrigen in die Gestaltung miteinbezogen wurden, u. a. durch konsequente Warengruppenbündelung bessere Übersichtlichkeit und schnellere Auffindbarkeit von gesuchten Artikeln, Ruhezonen, Kinderspielecken und insgesamt eine entspannte Einkaufsatmosphäre.

Die beachtlichen Synergieeffekte und die Kompetenz der EDEKA Minden-Hannover z. B. in den Bereichen Beschaffung, IT, Logistik und Distribution sowie im Produktionsbereich von Fleisch-, Wurst- und Backwaren verhelfen Reichelt zu einer weiterhin bedeutenden Rolle im stark umkämpften Berliner Lebensmittelmarkt.
 
Reichelt - ein Stück Berlin - dankt allen Berlinerinnen, Berlinern und Berlin-Besuchern für ihre Treue und freut sich auf ein Wiedersehen.